Projekt 35blumen, Chaos und Gemeinschaft

Das Foto bekamen wir per Mail   „Von einem Stadtspaziergang habe ich dieses Foto mitgebracht. Es strahlt Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen aus.“

 

 

35blumen ein Gemeinschaftsprojekt ?

Der Versuch zu erklären was das bedeutet: 

Wie kann „Gemeinschaft“ funktionieren? Für einen Kunst- und Kulturbetrieb sind Abstimmungen, Gemeinschaftsbeschlüsse oft der Untergang, den Künstlern ein Grauen. Auch wir sehen uns immer mal wieder vor die Zerreißprobe gestellt.

Geschmacksunterschiede, verschiedene Vorstellungen, wofür Geld ausgegeben wird und wofür nicht, welche Künstler wir für 35blumen passend finden… was stattfinden kann und was nicht….usw.   Ein bestimmter Stil, eine Richtung?  Ja – aber selten hält das Ausschließliche ein Projekt interessant. Es sind gerade auch die bezaubernden Ausnahmen, Kuriositäten, Experimente,  das Geheimnisvolle und Flüchtige, Aspekte, die für Überraschungen sorgen und unsere Neugier erhalten.

Das ist der Punkt, der auf Gemeinschaft angewiesen ist. Denn dort entsteht durch das Spannungsfeld der Begegnung, der Vielfältigkeit, der unterschiedlichen Wahrnehmungen, Bewegung und Chaos.

Vergleichbar ist dies mit dem Wesen eines Menschen, der durch seine spezielle Klaviatur an Eigenschaften prozesshaft zu seiner Persönlichkeit findet. Untrennbar, gehören die nicht perfekten Verhaltensweisen, die Kanten und Ecken dazu, aber auch die Geheimnisse, gepaart mit dem Sichtbaren.

Es gibt Sichtbares, das von allen Menschen gleich wahr genommen wird. Nehmen wir mal ein Quadrat. Jeder hat sofort eine Vorstellung davon. Das ist ziemlich einfach.

Ein Erlebnis, ist hingegen eine innere Bewegung, die sich zwischen dem was für alle sichtbar ist, und der eigenen Wahrnehmung abspielt. Es ist also nicht für alle gleich. So kann das Quadrat zB blau sein oder gelb. Wir alle sehen ein Quadrat, dennoch beginnt ein individueller und emotionaler Prozess.

Ich kann nicht wissen, wie ein blaues Quadrat auf dich wirkt.
Ich kann nicht wissen, wie ein gelbes Quadrat auf dich wirkt.
Das ist eine Art von Chaos, von Individualität und Unterscheidung.

Ein gemeinsames Erlebnis könnte es aber werden, wenn zB ein rotes Quadrat hinzu kommt und wir gemeinsam interpretieren, dass es sich Grundfarben handeln könnte. Blau, gelb und rot. Wir sind nicht mehr auf die individuelle Wahrnehmung – auf das Chaos gerichtet, sondern wir erleben etwas,  dass außerhalb unserer eigenen Welt einen gemeinsamen Sinn ergibt.  Damit haben wir einen Raum des gemeinsamen Wissens, einer gemeinsamen Ordnung betreten und fühlen uns verbunden.  Ein erfreulicher Zustand, den wir genießen. Aber auch der ist flüchtig.

Zum Beispiel könnte jemand  zu den drei Quadraten die zusammen einen Sinn ergeben,  einen Kreis hereinbringen. Man könnte hergehen und sagen: Der Kreis passt nicht zum Gesamtbild, aber man kann auch versuchen, die Spannung auszuhalten und den natürlichen Prozess zu genießen, der nun beginnt. Wie kommen wir vom Chaos zur Ordnung oder von der Begegnung mit dem „Fremden“ zur Gemeinschaft?

 

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Irgendwann sind die meisten Ideen wichtig.

Ein kleines Beispiel:  Ein Mitglied möchte gerne Kunst- Clips ins Programm integrieren. Viele Fragen tauchen auf. In welchem Kontext? Wo? Für welches Publikum? Zu welcher Veranstaltung? Fragen über Fragen…. die Idee schirrt schon lange im Raum. Als einzelne Veranstaltung ist sie gleichzeitig zu klein wie zu groß, bzw. zu wertvoll.  Die Integration  der Idee ist jahrelang nicht gelungen.

Inzwischen:  Auf der Empore hat sich unendlich viel Zeugs angesammelt. Im Zuge dessen, blieb über Jahre ein weißer Vorhang hängen, der mal Teil einer Installation war. Nun war die Erinnerung an die Installation gemeinschaftlich positiv und der Vorhang wurde als schön und praktisch bewertet. Er erfüllte die Funktion, den Raum zu beruhigen und das Chaos verschwinden zu lassen. Aus dem Auge aus dem Sinn. Ich möchte ihn nicht sehr. Wollte ihn nach 2 Jahren mal loswerden.

Als Team beschlossen wir, im Lockdown da oben mal aufzuräumen. Dabei wurde der Vorhang abgenommen.  Der Widerstand ihn zu entsorgen, war nur noch gering. Nach 2 Jahren hatte er völlig seinen Glanz verloren. Der hartnäckigste Befürworter des Vorhangs, nahm ihn schließlich mit nach Hause. Die Empore wurde befreit von Allem was sich angesammelt hatte.

Als der Raum endlich leer war, und man wieder hinein schauen konnte,
hatte ein neues Mitglied die Idee, dort oben einen kleinen Videoraum zu gestalten, in dem man Kunst – per Video anschauen könnte.

Nun konnte auch die Idee, Clips zu zeigen, sehr gut integriert werden.

Wir alle freuen uns auf die Umgestaltung.

 

U. Oppel